Zivile Seenotrettung ist kein Verbrechen!

Seit Anfang 2015 haben Sea-Watch e.V. und viele weitere zivile Seenotrettungsorganisationen tausende Menschenleben auf dem Mittelmeer gerettet. Und die akute Not ist noch lange nicht überstanden. Seit 2015 werden immer mehr Geflüchtete auf dem Meer gerettet. Die europäische Grenzschutzagentur Frontex und die italienische Küstenwache führen weniger Rettungsaktionen durch, aber die Anzahl ziviler Rettungsmissionen ist von damals einer auf aktuell neun gestiegen.

Während sich die EU zurück gezogen hat, rettendie zivilen Seenotrettungsorganisationen über ihre Kapazitäten hinaus Menschenleben – und werden dafür massiv kritisiert, diffamiert und inzwischen auch blockiert. Vorwürfe, dass Schlepper die Boote nur aufs Meer schicken würden, weil sie wüssten, dass auf dem Mittelmeer Rettungsorganisationen warten, sind schlichtweg absurd. Auch Mitarbeitende von Sea-Watch betonen, dass hier die Realität verdreht wird. Auf dem Mittelmeer sind Menschen gestorben und daraufhin haben sich zivile Initiativen gegründet, um etwas dagegen zu unternehmen.

Die Küstenwache Italiens und die Militäroperationen konzentrieren sich unterdessen vermehrt darauf flüchtende Menschen abzuwehren. Die EU-Militäroperation „Sophia“ wurde bis Ende 2018 verlängert und geht inzwischen über das eigentliche Ziel der Schlepperbekämpfung hinaus: das zentrale Projekt ist das Trainieren der sogenannten libyschen Küstenwache, die aktiv die Rettungseinsätze der zivilen Seenotrettungsorganisationen behinderte.

Die europäische Politik setzt auf Abschottung und Internationales Recht wird ausgehöhlt. Zivile Rettungsorganisationen halten sich an an das Völkerrecht: Das internationale Seerecht besagt, dass Menschen in Seenot gerettet und in den nächsten sicheren Hafen gebracht werden, wo sie versorgt werden. Die Genfer Flüchtlingskonvention besagt, dass Menschen nicht dorthin zurückgebracht werden dürfen, wo ihnen Lebensgefahr droht, wie z.B. nach Libyen, wo es keine funktionierende Regierung gibt und eine Versorgung der Menschen  nicht gewährleistet ist. Geflüchtete werden in Lagern eingesperrt und es gibt Berichte über Folter und Missbrauch.

Aktuelle Informationen zur Situation auf dem Mittelmeer finden Sie unter anderem hier:

Sea Watch

Watch The Med – Alarm Phone

Pro Asyl


Mit der SEEBRÜCKE-Großdemonstration am 2. September 2018 haben wir in Hamburg und vielen weiteren Städten ein gemeinsames Zeichen gesetzt gegen die Politik der Angst und der Abschottung, wie sie von vielen europäischen Regierungen betrieben wird. Die Demonstration wurde getragen von aktiven Menschen, von Bündnissen und Organisationen aus verschiedenen Bereichen der Zivilgesellschaft und der antirassistischen Bewegung. Bei aller Unterschiedlichkeit sind wir uns einig in drei zentralen Punkten:

1. Das Ertrinkenlassen von Menschen ist falsch und muss aufhören.
2. Seenotrettung ist eine humanitäre Pflicht und kein Verbrechen.
3. Es muss sichere Fluchtwege nach Europa geben.

Wir wollen, dass sich die Hansestadt Hamburg zu diesen Zielen bekennt und entsprechend handelt. Unsere Stadt soll zum SICHEREN HAFEN werden, in dem Gerettete und Geflüchtete Aufnahme finden und in Sicherheit leben können.

Informationen zum Bündnis und weiteren Aktionen finden Sie hier: http://seebruecke-hamburg.de/